Nachbarn und Partner

 

Aktueller Hinweis:

Trauer um Bernd Hinz

Der Vorsitzende der deutsch-polnischen Arbeitsgemeinschaft Kommunalpolitische Partnerschaft (AKP), Bernd Hinz (geb. am 20. Juli 1947), ist am 10. August 2021 im Krankenhaus zu Bad Ischl (A) einer schweren und unheilbaren Krankheit erlegen. Der Schock über den Tod des mit seiner ganzen Lebenskraft für die ostpreußische Heimat Preußisch Holland und die deutsch-polnischen Beziehungen wirkenden 74-Jährigen sitzt tief.

Der ehemalige Leitende Stadtrechtsdirektor der Stadt Mönchengladbach, Bernd Hinz, war nicht nur Kopf der AKP und der Heimatkreisgemeinschaft Preußisch Holland - er war ein verbandspolitischer Diplomat in der grenzüberschreitenden Arbeit ersten Ranges. Ministerpräsidenten und Botschafter, Spitzenpolitiker und kommunalpolitische Führungspersönlichkeiten besuchten die von ihm im Jahr 2000 initiierte kommunalpolitische Kongressreihe, suchten seinen Rat und seine Analyse. Er war mit seinem Wirkungsgrad ein Leuchtturm. Die Spuren, die er zu Lebzeiten hinterlassen hat sind eine rund 6000 Seiten umfassende, siebenbändige Geschichts- und Gegenwartsbetrachtung zu seinem Heimatkreis Preußisch Holland in Form des sogenannten Heimatbriefs, den er, gemeinsam mit seiner Frau Monika, bearbeitet und herausgegeben hat, sowie etliche Monografien zu Kommunen und Publikationen zu den deutsch-polischen Beziehungen.

Sein Wirken begann bei der Gemeinschaft Junges Ostpreußen (GJO) und schon kurz darauf der Heimatkreisgemeinschaft Preußisch Holland, deren Vorsitz er als Kreisvertreter 41 Jahre lang innehatte. 50 Jahre diente er den Preußisch Holländern als Führungskraft. Jahrzehnte gehörte er den Führungsgremien des Bundes der Vertriebenen (BdV) und der Landsmannschaft Ostpreußen an, bis er in diesen Institutionen mit seinen Vorstellungen zur deutsch-polnischen Versöhnung und Partnerschaft nicht mehr weiterkam. So bildete die AKP den Schlussstein seines Schaffens, während Preußisch Holland über ein halbes Jahrhundert der Nukleus blieb.

Stein gewordene Spuren in Ostpreußen sind zwei sanierte historische Stadttore und ein Stück der Stadtmauer Preußisch Hollands (Paslek) sowie das "Haus der Heimat" als Museum und Kulturort für Partnerschaftsarbeit in Itzehoe.

Bernd Hinz hat sein Leben vollumfänglich seiner Heimat und den deutsch-polnischen Beziehungen gewidmet.

Bernd Hinz hat jetzt den Weg in die Ewigkeit eingeschlagen. Die AKP trauert, und sie ist in Gedanken bei seiner Frau Monika.

 

Bernhard Knapstein

Geschäftsführer AKP

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Der Zug zur gemeinsamen Heimat fährt nach Europa


Im ehrwürdigen Hansesaal des Historischen Rathauses wurde der AKP-Kongress 2013 von Oberbürgermeister Jürgen Roters und Bürgermeister Hans-Werner Bartsch empfangen. v.l.: Bartsch, Roters, Stadtpräsident a.D. von Ausschwitz Janusz Marszalek und AKP-Vors. Bernd Hinz.

 

Die deutsch-polnischen Beziehungen sind komplex und nicht immer leicht. Es gibt vieles zu überwinden und zu verstehen. Das gilt für Polen und für Deutsche gleichermaßen. Basis der sich seit dem Zusammenbruch des Kommunismus zunehmend bessernden Beziehungen sind die bilateralen Partnerschaften auf kommunalpolitischer Ebene. Der Abschluß eines deutsch-polnischen Partnerschaftsvertrages macht viel für das gegenseitige Verstehen aus, denn wahre Freundschaft wächst von unten.

Von besonderer Bedeutung sind Kommunalpartnerschaften zwischen Kreisgemeinschaften der deutschen Heimatvertriebenen und den polnischen Gebietskörperschaften in den Heimatgebieten. Seit der Wendezeit 1989/90 sind es Jahr für Jahr die deutschen Heimatvertriebenen gewesen, die sich um den Dialog und den Verständigungsprozeß von unten bemüht haben. Zu Tausenden sind sie in ihre Heimatgebiete gereist und haben über die Heimatkreisgemeinschaften ein Netzwerk des kulturellen Austauschs und der sozial-humanitären Hilfe aufgebaut.

Bild: Der polnische Botschafter Dr. Marek Prawda nahm 2011 über mehere Tage an dem AKP-Kongress auf dem Hambacher Schloss teil und hielt eine vielbeachtete Rede zur notwendigen Vertiefung der deutsch-polnischen Beziehungen.

 

So zeigt das rechts nebenstehende Bild den Abschluss eines Kommunal-Partnerschaftsvertrages zwischen der ostpreußischen Heimatkreisgemeinschaft Preußisch Holland und dem polnischen Landkreis Elbing /Elblag im Jahr 2003. Altbürger und Neubürger eines Kreises wollen ganz im europäischen Geist Hand in Hand an der gedeihlichen Zukunft der gemeinsamen Heimat arbeiten. Dies realisiert sich in zahlreichen Partnerschaftsprojekten und -treffen. Die deutschen Heimatvertriebenen haben - wie auch die polnischen Gebietskörperschaften - die Bewahrung des kulturellen Erbes als Ziel. Kooperation ist eine logische Strategie und Freundschaft ein vielfach erreichtes Ergebnis.

 

Die AKP fördert diesen Geist, indem sie regelmäßig hochrangig besetzte Kongresse zwischen Partnerschaftsträgern und Partnerschaftsinteressierten organisiert und sie will deutschen und polnischen Gebietskörperschaften und Heimatkreisgemeinschaften in ihren Bemühungen um den vertieften Dialog und die Partnerschaftsarbeit beratend zur Seite stehen.

Die im Jahr 2000 von Bernd Hinz als Stellvertretender Sprecher einer ostdeutschen Landsmannschaft begründete Initiative eines deutsch-polnischen Kongresses hat nachhaltig Vertrauen zwischen Polen und den dialogorientierten deutschen Heimatvertriebenen geschaffen. Die Initiative führt die AKP seit ihrer Gründung 2005 mit wachsendem Erfolg fort. Immer mehr deutsche Kommunen und Kreise binden sich in das Projekt mit ein. Viele haben Patenschaften mit ostdeutschen Heimatkreisgemeinschaften. 2011 hat sich auf dem Hambacher Schloss mit Marek Prawda erstmals ein polnischer Botschafter bei einer von Heimatvertriebenen organisierten Tagung, dem deutsch-polnischen Kommunalpolitischen Kongress der AKP, aktiv mit eingebunden. "Ich sehe uns auf einer Wellenlänge", bescheinigte der Vertreter des polnischen Staatspräsidenten dem AKP-Vorsitzenden in einer emotionalen und visionären Rede zur Zukunft der deutsch-polnischen Beziehungen. Die AKP sieht sich in ihrem Kurs bestätigt. Sie ist zum wichtigsten kommunalpolitischen Forum für den deutsch-polnischen Dialog unter Einbeziehung der deutschen Heimatvertriebenen geworden.

Der Zug zur gemeinsamen Heimat fährt nach Europa.

Auf dem AKP-Kongress zu Posen im Jahr 2014 nahm der polnische Spitzendiplomat Dr. Andrzej Byrt teil, der die Kongress-Initiative seit Jahren verfolgt und die AKP nach Frankreich eingeladen hat.


WDR 5 Alte und neue Heimat: WDR 5 Alte und neue Heimat, Sendung vom 06.11.11 zur AKP

Rundfunkbeitrag von proFutura, gesendet auf Radio Oppeln zur AKP, 2010